Dienstag, 5. Juni 2012

Ich liege mit meinem Oberkörper auf L.s Brust. Er ist auf den Film konzentriert, aber mein Kopf und meine Gedanken sind woanders. Gleich muss ich wieder gehen, denk ich mir. Wie jedes Mal ein Abschied, als wenn wir uns Jahre nicht sehen würden. Dann werde ich wieder auf mich allein gestellt sein. Augenblicklich schießen mir die Tränen in die Augen. Nein nein nein, er darf es nicht bemerken. Mein Versuch unauffällig die Tränen wegzuwischen, scheitert indem L. meinen Kopf leicht nach oben drückt. "Weinst du etwa schon wieder?", fragt er mich besorgt. Ich schüttel mein Kopf doch mein Gesicht sagt was anderes. "Was denn los, Schatz? Du bist schon die ganze Zeit so." Ich kann nicht antworten, stattdessen kommt ein weiterer Andrang von Tränen. Seine Arme umfassen mich und drücken meinen Körper an ihn. Schon wird das leise Weinen zu unkontrolliertem Schluchzen. "Oh gott, was ist denn los? Ich mache mir gerade ernsthaft Sorgen. So viel hast du noch nie geweint" In seiner Stimme liegt Verzweiflung. Ich will reden, doch meine Stimme versagt schon bei dem kleinsten Versuch. "Red doch mit mir. Ich hab gerade wirklich Angst". Ich schiebe ihn leicht von mir und versuche es erneut. "Es... es ist einfach wieder so schwer, wenn ich alleine bin." - "Aber ich bin doch bei dir. Ich lass dich nicht alleine." - "Aber wenn ich abends im Bett liege bin ich alleine... Und... dann überkommt mich das alles einfach. Diese tiefe Traurigkeit. Endlos tief..." - "Aber wieso? Es muss doch irgendeinen Grund geben. Ich verstehe es noch nicht ganz" - "Nein, das ist es ja. Es gibt keinen Grund. Es passiert einfach und es tut einfach so unglaublich weh... ". Er denkt nach. "Ich will dir so gerne helfen. Aber ich weiß nicht wie... und vorhin meintest du, dass du sauer auf dich seist. Wieso das?" - "Weil ich wieder daran gedacht habe, mich...." Ich stocke. Er zeigt auf mein Handgelenk "...dich zu verletzten?" Ich nicke. "Aber was treibt dich dazu?" - "Um einfach ... von diesem unerträglichen Schmerz in mir abzulenken...". Jetzt hat er keine Antwort mehr darauf. Ich weiß wie sehr ihn das quält und das tut mir wiederum weh. Er drückt mich wieder an sich und flüstert mir ins Ohr 
"Ich werde immer bei dir sein. Immer. Darauf kannst du dich verlassen"


2 Kommentare:

  1. Ist doch selbstverständlich jemandem zum Geburtstag zu gratulieren, wenn man es schon weiß. Das hab ich wirklich gerne gemacht <3

    Und du schaffst das. Du wirst von diesem Drang wegkommen. Ich bin mir sicher. Stay strong.

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  2. Deine Texte berühren mich sehr. Ich weiß nicht wieso, aber ich kann dir diese Traurigkeit nachempfinden.
    Ich hoffe, dass du das alles hinter dir lassen kannst, irgendwann. Dass du ohne den Schmerz leben kannst.
    Viel, viel Glück!

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