Dienstag, 19. Juni 2012

Meine Mutter erlaubt mir mittags, dass L. bei uns schlafen darf. Doch als wir zuhause sind und gerade in mein Zimmer gehen, ändert sie plötzlich ihre Meinung und rastet vollkommen aus. Dann kommt noch mein Vater hinzu der ebenfalls grundlos ausrastet und mich anschreit. Bla bla bla. Ich höre schon gar nicht mehr zu. Das einzige was ich noch mitkriege ist, dass L. jetzt sofort nach Hause soll. Sonst würde er noch die Polizei rufen und ihn abholen lassen. Haha. Mein Vater ist das größte Arschloch, das ich kenne. Niemand verabscheue ich mehr als ihn. 
L. und ich ziehen uns schnell unsere Jacken und Schuhe an und machen uns auf den Weg zur Bahn. Bloß schnell weg von meinen Eltern. Als wir zur Tür raus sind, fange ich schon wieder an zu weinen. Vergeblich  versucht er mich zu beruhigen.  Am Bahnhof angekommen, trifft auch schon seine Bahn ein. Nein, nicht jetzt schon gehen. Das schaffe ich doch nicht ohne dich.  Heulend verabschiede ich mich von ihm und geh langsam wieder zurück. Immer noch am weinen stolper ich regelrecht den Weg entlang und komme gar nicht mehr klar. Weinen wird zu Schluchzen. Schluchzen wird zum Hyperventilieren. Kriege kaum noch Luft und ringe nach Atem, doch breche schließlich auf dem, noch vom Regen, nassen Asphalt zusammen. Ich kann kann kann einfach nicht mehr! Das ist alles zu viel für mich. Ich kann das alles nicht mehr ertragen! Ich bin gerade innerlich am Sterben und meine Eltern warten wütend zuhause auf mich, um mich zur Rede stellen, ohne dabei zu wissen, was sie alles eigentlich bei mir auslösen. Aber nein nein nein. Nicht aufgeben. Niemals! Ich darf mich nicht mehr von ihnen unterkriegen lassen. Ich schaff' das. Nur noch ein Jahr muss ich es aushalten!

350 Tage. Dann bin ich weg. Versprochen. Auf nimmer Wiedersehen.

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